Interview mit Hans-Jakob Hanrath (aktualisierte Auszüge aus einem Interview mit der „Kölnischen Rundschau“, 1991)
"Nun, ich hatte 1964 an der Kirchenmusikschule Aachen mein Examen als Organist und Chorleiter gemacht. Da rief mich die Bundeswehr und ich wurde in Köln-Longerich stationiert. Mein Spieß beauftragte mich, eine Weihnachtsfeier zu organisieren. Ich nahm Kontakt mit der Pfarre auf und lernte Pfarrer Clemens Meng kennen. Der suchte gerade einen neuen Chorleiter." "Konnten Sie denn so ohne weiteres hier einsteigen?" "Ja, das verdanke ich meinem verständnisvollen Kompanie-Chef. Der ermöglichte es mir, hier vertretungsweise Orgel zu spielen und 1965 auch den Chor zu übernehmen.“ „Eine Chorgemeinschaft, die schon fast 100 Jahre bestand..." "…und aus nur vierzehn Aktiven. Enttäuschend die erste Chorprobe ! Aber bald waren es 15 Leute, die dreistimmige Choräle einübten. Die große Aufgabe bestand darin, bis zur Einweihung der Klais-Orgel Anfang 1966 und bis zum 100-jährigen im Herbst einen klangstarken Chor aufzubauen." "Wie macht man so etwas?" "Ich bin an den Hecken, Zäunen und auch an Theken vorbeigegangen und habe gute Stimmen gesammelt. Bei der Orgel-Einweihung konnten wir mit 35 Sängerinnen und Sängern eine Mozart-Messe mit Gloria aufführen. Beim Jubiläum waren wir schon 40, und einige meiner Vorgänger, darunter Franz-Josef Palm und Hans-Elmar Bach, lobten die guten Ansätze." "Daran haben Sie weitergearbeitet?" "Ja, und ich habe dabei Wert darauf gelegt, daß wir nicht stur in eine Richtung marschieren. Es gibt Musikfreunde, die nicht nur das Klassische lieben, die auch gerne einmal etwas Leichtes oder Jugendgesänge hören. Dieses breite Repertoire lockert die Arbeit im Chor auf, andererseits werden neue Zuhörer-Kreise angesprochen. Wir scheuen uns nicht, beim Schützenfest oder bei den Karnevalisten zu singen, im Gegenteil. Und beim Kirchenlied sind wir auch für alle Richtungen offen. So erkläre ich mir, daß wir keine Nachwuchssorgen haben." "Kommen tatsächlich die jungen Leute?" "Wir hatten bis vor kurzem sogar einen Aufnahme-Stopp. Erst auf der vergrößerten Orgelbühne haben wir Platz für mehr als 64 Sänger. Wir haben Anmeldungen vorliegen, durchweg von jungen Leuten." "Ihr Chor hat weit über Longerich hinaus einen guten Ruf." "Unser früherer Vorsitzender Hermann de Bleser hatte Kontakte nach Antwerpen geschaffen. Vielen unvergessen Ist das Konzert in der Künstlerkirche Carolus Borromäus. Ich hatte das Vergnügen und die Ehre, unseren Chor gemeinsam mit der Belgischen Philharmonie dirigieren zu dürfen. Musikkritiker meinten damals, das habe es noch nie gegeben, daß in dieser Kirche so applaudiert wurde. Es folgten Darbietungen in St. Georges in London, in Rom, in der Kathedrale von Reims, in Sacre Couer in Paris, sowie nicht zuletzt im Kölner Dom." "Sie waren auch im Radio zu hören." "Ja, allerdings in einem ganz anderen Fach, nämlich bei einem Kriminal-Hörspiel, sangen wir Volkslieder. Für den Chor eine beachtliche Leistung; denn wir haben bis zu 40 Aufführungen pro Jahr, die intensive Proben erfordern, und wir standen in der Vorbereitung des Festkonzerts." "Sie sind aber auch häufig selbst Gastgeber." "Dank der guten Akustik unserer Pfarrkirche kamen schon ein Kinderchor und ein Damenchor aus Kanada, russische Kosakenchöre, ein polnischer Kirchenchor und viele mehr. Das waren nicht nur musikalische Leckerbissen, da steckten auch nette menschliche Begegnungen dahinter, und ganz Longerich spielt prächtig mit. Da gilt unser Dank auch den Gemeindepfarrern der letzten 38 Jahre für die gute Zusammenarbeit." |